Artists in Residence

Steffen FAHL erhielt in seiner Jugend Klavierunterricht u. a. bei Komponist Martin Almstedt sowie Kammermusiker und Pianist Gerrit Zitterbart. Er studierte bis 1989 an der an der Kunstuniversität Graz Klavier bei Edwin-Fischer-Schüler Jean Sebastian Benda, IGP sowie Jazzklavier bei Harald Neuwirth, vertieft durch Interpretations- und Meisterkurse u. a. bei Hans Leygraf, Lew Naumov und Jürgen Uhde.
An die Musikwissenschaft-Promotion bei Prof. Rudolph Stephan an der Freien Universität Berlin über Robert Kahn schließen sich bis heute Publikationen und Vortragseinladungen an, u. a. an das Royal College of Music London. In seinem Webprojekt klassik-resampled.de greift Steffen Fahl seit einigen Jahren den Anspruch moderner Samplelibraries auf, das traditionelle Instrumentarium digital verfügbar zu machen. Verschiedene Produzenten von Samplelibraries setzen seither digitale Realisationen von Steffen Fahl als Werbung für ihre Produkte ein. Teilweise entwickelten sich jahrelange Kooperationen z. B. mit dem Klaviersample Produzenten Synthogy (Massachusetts) oder dem Produzenten von gesampelten historischen Tasteninstrumenten Realsamples (Karlsruhe).
Dabei verbindet Steffen Fahl die Nutzung von Samplelibraries mit der wissenschaftlichen und interpretatorischen Erschließung des historischen Repertoires. Als Experimente einer quasi 'historisch informierten digitalen Aufführungspraxis' macht klassik-resampled z. B. Händels Dixit Dominus konsequent auf Knaben- und Männerstimmen beschränkt hörbar, wie in der Kirchenmusik im frühen 18. Jahrhundert üblich. Andere Experimente stellen Bachs Clavierübungen, Haydns 54 Klaviersonaten oder Eduard Francks frühe Klavierstücke, interpretiert auf dem gesampelten modernen Flügel, einer Interpretation auf gesampelten historischen Instrumenten der jeweiligen Epoche und Region gegenüber. Ravels Tzigane wurde mit der gesampelten Version des einzig original erhaltenen vorgeschriebenen "Luthéal" aus dem Brüsseler Musikinstrumenten-Museum aufgenommen.
Das Webprojekt klassik-resampled nutzt Samplelibraries auch um unbekanntes Repertoire hörbar zu machen. Unter den 2600 auf klassik-resampled zu hörenden mp3-Dateien sind allein ca. 700 auf klassik-resampled präsentierte Erstaufnahmen von Werken aus über 400 Jahren. Darunter befinden sich u. a. Erstaufnahmen von Kantaten G. A. Bendas, die in Zusammenarbeit mit dem Bach-Institut Leipzig aus den Manuskripten produziert wurden, um dann auch beim Leipziger Bachfest aufgeführt zu werden. Vom französischen Klassikmagazin "Diapason" wurde Steffen Fahls Erstaufnahme von Jean Louis Nicodés "Gloria!"-Symphonie besprochen. Sie ist mit über zwei Stunden Länge die größte Symphonie der klassisch-romantischen Tradition überhaupt. Inzwischen zählen auch über 300 der 1160 Stücke aus Robert Kahns "Tagebuch in Tönen" zu den Erstaufnahmen auf klassik-resampled.de.
Im Rahmen einer Gesamtaufnahme aller nichtszenischen Werke Alban Bergs realisierte klassik-resampled zahlreiche noch nie aufgenommene und teils noch nie publizierte Werke und Fragmente Bergs. Zu den Erstaufnahmen gehören des weiteren mehrere Werke verfemter Komponisten, wie die Konzertstücke des Widerstandskämpfers und Auschwitz-Häftlings Nico Richter. Weiters entstanden verschiedene Erstaufnahmen in Zusammenarbeit mit heute lebenden Komponisten, wie dem Elliot-Carter-Schüler Alan Belkin, Rick LaSalle oder Martin Almstedt.
Verschiedentlich wurden von Steffen Fahl produzierte MIDI-Daten z. B. mit MIDI-tauglichen Konzertorgeln im Budapester Palace of Arts, im Orgelmuseum Amsterdam oder im Konzertsaal der Musikhochschule Dresden konzertant aufgeführt.
Steffen Fahl lebt derzeit als frei schaffender Musikproduzent und Musikwissenschaftler in Göttingen.

Die Kammersymphonie Berlin wurde von Mitgliedern des Berliner Sinfonie-Orchesters (heute Konzerthaus), der Staatskapelle Berlin und Musikern der Orchester der Komischen und der Deutschen Oper gegründet. Im Januar 1991 gab das Ensemble sein erstes Konzert und schuf sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen im Berliner Konzertleben und darüber hinaus. Das damals junge Orchester unter seinem Künstlerischen Leiter Jürgen Bruns machte sich neben dem klassischen Repertoire hochrangige, aber wenig gespielte Orchestermusik zum Anliegen, deren Formen zwischen dem großen sinfonischen und kleinen kammermusikalischen Bereich liegen. Im Mittelpunkt standen Werke der Klassischen Moderne und die verfemte Musik des frühen 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit gab es in Berlin eine faszinierende, breit gefächerte Musikszene.
In den vergangenen 20 Jahren hat das Kammerorchester mit namhaften Komponisten wie Alfred Schnittke und Jean Françaix zusammengearbeitet und brachte unter anderem Werke von Schreker, Glasunow und Milhaud zur deutschen Erstaufführung. Ausgehend vom programmatischen Schwerpunkt der Musik des frühen 20. Jahrhunderts zeigen die thematisch gestalteten Konzerte auch Querverbindungen zu anderen Musikepochen auf. Dabei werden im Konzertsaal den etablierten Werken aus Klassik und Romantik auch immer wieder Uraufführungen zeitgenössischer Musik (Detlef Glanert, Victor Bruns, Anatol Vieru, Carlo Domeniconi u.a.) gegenübergestellt.
Die Vernetzung mit anderen Künsten charakterisiert einen weiteren sehr speziellen musikalischen Blick der Kammersymphonie Berlin. Neben der musikalischen Gestaltung von Theaterproduktionen (u.a. von Peter Zadek), begleitete das Orchester auch Tanzproduktionen (mit Gregor Seyffert) und Literatur im Konzert (mit Corinna Harfouch, Dieter Mann und Eberhard Esche).
Die Kammersymphonie gastiert regelmäßig im Konzerthaus Berlin und in der Berliner Philharmonie, sowie deutschlandweit. Unter ihrem Künstlerischen Leiter Jürgen Bruns folgte sie Einladungen zu den Musikfestspielen in Ravello (Italien,2000), zu den Dresdener Musikfestspielen, dem „Kurt-Weill-Fest“ Dessau (2001) und dem „Festival International de Musique de Sion-Valais“ (Schweiz). Das Musikfestival „Polen im Exil“ Oktober 2004 in Berlin, das polnische Exilkomponisten von Chopin bis Tansman vorstellte, wurde von der Kammersymphonie mitverantwortet.
Die besondere programmatische Gestaltung der Orchesterkonzerte trifft regelmäßig auf das Interesse der Rundfunkanstalten, die Mitschnitte und Live-Sendungen produzieren. So wurde das Eröffnungskonzert zum Usedomer Musikfestival 2007 live von Deutschlandradio Kultur übertragen, das Jubiläumskonzert „20 Jahre Kammersymphonie Berlin“ als Mitschnitt am 23.02.2011 gesendet.
Mit der Ersteinspielung von Franz Schrekers „Geburtstag der Infantin“ und Ernst Tochs „Tanzsuite“ legte die Kammersymphonie Berlin 1998 ihr vielgelobtes CD-Debüt vor. 2002 erschien mit Ersteinspielungen von Berthold Goldschmidt und Roberto Gerhard sowie mit der 2. Sinfonie von Kurt Weill eine weitere Aufnahme von Musik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 2004 engagierte Sony Norway die Kammersymphonie Berlin für eine Zusammenarbeit mit dem Bariton Rein Alexander. Die CD wurde in Norwegen mit Platin geehrt. Im Herbst 2006 veröffentlichte die Kammersymphonie Werke von Gerhard Frommel bei der Deutschen Grammophon. Anfang 2007 erschien bei Capriccio eine CD mit zwei Märchenmusiken von Andreas Pflüger mit Corinna Harfouch als Sprecherin. 2008 folgte eine CD bei Deutsche Grammophon mit der Einspielung von Kurt Hessenbergs Suite „Der Sturm“ und dem Saxophonkonzert von Lars-Erik Larsson mit dem Solisten Frank Lunte.
2001 erhielt die Kammersymphonie Berlin den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung und 2002 gemeinsam mit dem Künstlerischen Leiter Jürgens Bruns den „Förderpreis Musik“ der Musikakademie Rheinsberg und des Landes Brandenburg.

Kammersymphonie Berlin


Der Dirigent Jürgen BRUNS ist Mitbegründer der Kammersymphonie Berlin und seitdem der Künstlerische Leiter, daneben Chefdirigent des KOS Ljubljana und  in der selben Position beim ECCO (European Contemporary Composers Orchestra).
Als Kind lernte Jürgen Bruns mehrere Instrumente und trat neunjährig zum ersten Mal solistisch mit Orchestern auf. Später studierte er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin Violine; noch während seiner Studienzeit wurde er 1988 Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Zeitgleich begann Jürgen Bruns sein Dirigierstudium bei Professor Rolf Reuter in Berlin und ergänzte es mit Studien bei Gilbert Varga in Florenz und Charles Bruck in Paris sowie von 1991 bis 1992 an der „Pierre-Monteux-School“ in Maine (USA). 1991 gab Jürgen Bruns sein Engagement beim Konzerthausorchester auf, um sich ausschließlich dem Dirigieren zu widmen. Seitdem entwickelte sich eine rege Gastspieltätigkeit bei Orchestern, Theatern und Chören in den Niederlanden, Tschechien, der Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Polen, Frankreich, Österreich, Norwegen und Deutschland.
Er dirigierte in den letzten Jahren über 80 Uraufführungen. Jürgen Bruns wird für seine thematisch orientierten Konzertprogramme sowie für die Zusammenarbeit mit anderen Künsten (Theater, Video, Tanz, Literatur) sehr geschätzt.
Mehrmals erhielt der Dirigent den Siemens-Förderpreis und ist Träger des „Förderpreis Musik“ der Musikakademie Rheinsberg und des Landes Brandenburg. Für seine Interpretationen der Werke Janaceks wurde er von der IMFC ausgezeichnet.
Ein sehr wichtiger Aspekt seiner Arbeit ist die Aufnahmetätigkeit. Jürgen Bruns hat über hundert Werke für CD (u.a. Deutsche Grammophon, EDA, Signum, Quadriga, Capriccio, Hännsler Classics, Sony), Rundfunk und Film eingespielt, viele der aufgenommenen Werke sind Ersteinspielungen wiederentdeckter bzw. verfemter Musik.
Von 2006 bis 2009 war er Künstlerischer Leiter der Reihe „Club 100“ bei der Deutschen Grammophon.

Jürgen Bruns

Der Organist Günther Kaunzinger ist Artist in Residence 2014 am Institut für Kirchenmusik und Orgel. Im Rahmen dessen wird er einen Gastkurs halten.
Presseberichte, die den Organisten als "technisches Phänomen", gar als "Liszt der Orgel" würdigen, sind keine Seltenheit. Der wahre Kern, der hinter solchen oft eilfertigen Formulierungen lauert, gründet in Kaunzingers Konzept eines musikalisch vollgültigen, technisch emanzipierten und geistig hellwachen Orgelspiels, wobei sein außerordentliches Gedächtnis ihn befähigt, sein Repertoire auswendig zu interpretieren.
Erlernt hatte Kaunzinger, von 1976-1978 zudem "Artist in Residence" am "National Shrine" und Leiter der Orgelabteilung an "The Catholic University of America" in Washington, D. C., sein Handwerk während eines siebenjährigen Studiums bei französischen OrgelmeisterInnen: Marie-Claire Alain, Maurice Duruflé und - was die Kunst der Improvisation wie selbstverständlich einschließt - Jean Guillou; zuvor hatte er in Deutschland ein umfassendes Musikstudium (auch in den Fächern Klavier, Komposition und Dirigieren) absolviert. Zahlreiche gewonnene internationale Orgelwettbewerbe legten die Grundlage für Kaunzingers weltweite Konzerttätigkeit und seine rege Schallplattenaktivität (darunter u.a. das Gesamtwerk von Franck, Widor und Vierne), die mit dem Deutschen Schallplattenpreis 1980, 1982, 1988 honoriert wurde. 1983 gründete er in seinem Haus "Capriccio" in Helmstadt bei Würzburg die "Konzerte auf Capriccio". Sein engagiertes Eintreten für einen zeitmäßigen, individuellen Orgelbau belegen zahlreiche Instrumente im In- und Ausland, darunter die Große Orgel der Stiftsbasilika Waldsassen - mit 103 Registern und zwei sechsmanualigen Spieltischen - an der er 1989 zum "Titualorganist" ernannt wurde.
Als Herausgeber der ersten Urtext-Edition des gesamten Orgelœuvres von César Franck (Schott/Wiener UB) sowie der bisher einzigen korrigierten Fassung von Julius Reubkes "Orgelsonate über den 94. Psalm" (ebenso Schott/Mainz) hat sich Günther Kaunzinger besondere Verdienste erworben und auch musikwissenschaftlich profiliert. 1988 wurde ihm der Kulturpreis der Stadt Sulzbach-Rosenberg aufgrund seiner internationalen Bedeutung als Orgelinterpret verliehen. 1994 erfährt er weltweite Anerkennung indem er zum "Interpreten des Jahres" gewählt wird. Der deutsche Bundespräsident hat Günther Kaunzinger den "Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland" zuerkannt. Damit würdigte der Staat einen international renommierten Organisten und Lehrer, dessen Wirken weltweit geschätzt wird.

Günther Kaunzinger

Der Organist und Komponist Naji Hakim war im Sommersemester 2013 Artist in Residence am Institut für Kirchenmusik und Orgel
Naji Subhy Paul Irénée HAKIM wurde am 31. Oktober 1955 in Beirut (Libanon) geboren. Er absolvierte umfangreiche Studien bei J. Langlais und am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique in den Klassen von R. Boutry, J.C.Henry, M. Bitsch, R. Falcinelli, J. Castérède und Serge Nigg, wo er sieben erste Preise erzielte. Neben einem Lehrdiplom für Orgel des Trinity College of Music in London kann er auf neun erste Preise bei internationalen Orgel- und Kompositionswettbewerben zurückblicken. 1991 verlieh ihm die Académie des Beaux-Arts den Preis André Caplet. Nachdem er von 1985 bis 1993 das Amt des Titularorganisten der Basilika Sacré-Coeur de Montmartre innehatte, wurde er Nachfolger Olivier Messiaens an der Église de la Trinité. Weiterhin ist er tätig als Professor für musikalische Analyse am Conservatoire National de Région in Boulogne-Billancourt und als Gastprofessor an der Royal Academy of Music in London. Als Ingenieur ist er Absolvent der École Nationale Supérieure de Télécommunications in Paris. Er ist Mitglied der Consociatio Internationalis Musicae Sacrae in Rom und Ehrendoktor der Saint-Esprit-Universität in Kaslik, Libanon. Im Jahr 2007 wurde Naji Hakim von Papst Benedikt XVI. für sein herausragendes Engagement und seine Arbeit zu Gunsten der Kirche und des Heiligen Vaters das Ehrenzeichen "Pro Ecclesia et Pontifice" verliehen. Sein Katalog umfasst Instrumentalwerke (Orgel, Flöte, Oboe, Fagott, Horn, Trompete, Harfe, Gitarre, Violine, Klavier), symphonische Musik (Les Noces de l‘Agneau, Hymne de l‘Univers, Ouverture Libanaise, Påskeblomst, Augsburger Symphonie, fire Orgelkonzerte, Violinkonzert) und Vokalmusik (Oratorium Saul de Tarse, Kantate Phèdre, zwei Magnificat und vier Messen).
Anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens des Institutes hat Naji Hakim eine Messe komponiert, die am 5. Mai im Grazer Dom uraufgeführt und im ORF übertragen wurde. Weiters leitete er einen mehrtägigen Meisterkurs und konzertierte im Rahmen des Orgelfrühlings in der Herz-Jesu-Kirche.

Naji Hakim