Blaue Orgel (Foyer 2. Stock)

Das Instrument entstammt der niederösterreichischen Orgelbaufirma Walcker und gehört zum Bestand des Instituts für Kirchenmusik und Orgel der Kunstuniversität Graz. Im Zuge von Sanierungen in den historischen Räumlichkeiten des Palais Schwarzenberg wurde das Instrument bei der slowenischen Orgelbaufirma Močnik zwischengelagert und saniert.

 

Institutsvorstand Gunther Rost und die Grazer Künstlerin Sigi Hrad-Rynda – Leiterin und Gründerin der „Ersten Grazer Malschule“ – entwickelten gemeinsam die Idee die Orgel auch von außen rundum zu erneuern und die hölzerne Verkleidung des Instruments von Kindern bemalen zu lassen. Sigi Hrad-Rynda, deren Malschule bereits seit 1973 besteht, ist seit jeher Anlaufstelle für junge Künstlerinnen und Künstler, denen sie mit fachkundigem und kindgerechtem Expertinnenwissen zur Seite steht. Als Künstlerin selbst sehr aktiv, studierte Sigi Hrad-Rynda an der Kunstgewerbeschule in Graz, an der Kunstakademie Wien sowie in Paris und Rom.

 

Beteiligt an der Mal-Aktion waren Schülerinnen und Schüler der Malschule sowie Kinder aus dem Grazer Lerncafé der Caritas Mariengasse in unmittelbarer Nähe zu Sigi Hrad-Ryndas Unterrichtsräumlichkeiten. Die Caritas Lerncafés sind ein kostenloses Lern- und Nachmittagsangebot für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren, wo neben der außerschulischen Unterstützung vor allem das Miteinander über die verschiedenen Kulturen und Nationalitäten hinweg aktiv gelebt wird. Auch viele Kinder aus Familien von Flüchtenden nehmen daran teil und verbessern hier ihre Deutsch-Kenntnisse. Der Kunstuniversität Graz war es ein Anliegen in diesem Kooperationsprojekt mit der Caritas als Schnittstelle für Integration, Interkulturalität und – in Bezug auf das sakrale Instrument der Orgel – auch Interreligiosität zu fungieren.

 

In ihre Einzelteile zerlegt, traf die äußere Hülle der Orgel im Februar 2017 aus Slowenien wieder in Graz ein und nahm von den Räumlichkeiten der Malschule in der Ghegagasse 32 sogleich Besitz: >>Bericht

 

 

Die Bemalung erfolgte in „Enkaustik“, einer Technik, die ihre Blütezeit vor mehr als 2000 Jahren in der griechisch-römischen Antike erlebte. Dabei werden in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen, im Fall der „Blauen Orgel“ auf Holz. Das Institut 6 der Kunstuniversität möchte - wie schon bei der Auseinandersetzung mit dem Schaffen des aus dem Libanon stammenden Komponisten Naji Hakim - damit auch eine Brücke in den leidgeprüften vorderen Orient wieder erbauen, aus dem nämlich die frühesten uns bekannten Zeugnisse der Orgelbaukunst aus eben dieser Zeit, dem klassischen Altertum, stammen.

 

Mit selbstgewählten Motiven zum Thema "Leben in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" entstand durch die Kreativität der jungen KünstlerInnen und dem kompetenten Überblick von Sigi Hrad-Rynda ein äußerst inspirierendes Kunstobjekt. Die Bildwelt verdeutlicht auch die Auseinandersetzung der Orgelwelt mit ihrer Vergangenheit sowie gegenwärtigen und zukunftsweisenden Techniken des Instrumentenbaus. So wurde der traditionelle Kern des Instruments mit Mitteln des Zentrums für Orgelforschung mit MIDI-Technik erweitert und für das hybride Zusammenwirken mit elektronischen Instrumenten vorbereitet.