Artists in Residence 2015

Kammersymphonie Berlin - Jürgen Bruns

Die Kammersymphonie Berlin wurde von Mitgliedern des Berliner Sinfonie-Orchesters (heute Konzerthaus), der Staatskapelle Berlin und Musikern der Orchester der Komischen und der Deutschen Oper gegründet. Im Januar 1991 gab das Ensemble sein erstes Konzert und schuf sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen im Berliner Konzertleben und darüber hinaus. Das damals junge Orchester unter seinem Künstlerischen Leiter Jürgen Bruns machte sich neben dem klassischen Repertoire hochrangige, aber wenig gespielte Orchestermusik zum Anliegen, deren Formen zwischen dem großen sinfonischen und kleinen kammermusikalischen Bereich liegen. Im Mittelpunkt standen Werke der Klassischen Moderne und die verfemte Musik des frühen 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit gab es in Berlin eine faszinierende, breit gefächerte Musikszene.

In den vergangenen 20 Jahren hat das Kammerorchester mit namhaften Komponisten wie Alfred Schnittke und Jean Françaix zusammengearbeitet und brachte unter anderem Werke von Schreker, Glasunow und Milhaud zur deutschen Erstaufführung. Ausgehend vom programmatischen Schwerpunkt der Musik des frühen 20. Jahrhunderts zeigen die thematisch gestalteten Konzerte auch Querverbindungen zu anderen Musikepochen auf. Dabei werden im Konzertsaal den etablierten Werken aus Klassik und Romantik auch immer wieder Uraufführungen zeitgenössischer Musik (Detlef Glanert, Victor Bruns, Anatol Vieru, Carlo Domeniconi u.a.) gegenübergestellt.

Die Vernetzung mit anderen Künsten charakterisiert einen weiteren sehr speziellen musikalischen Blick der Kammersymphonie Berlin. Neben der musikalischen Gestaltung von Theaterproduktionen (u.a. von Peter Zadek), begleitete das Orchester auch Tanzproduktionen (mit Gregor Seyffert) und Literatur im Konzert (mit Corinna Harfouch, Dieter Mann und Eberhard Esche).

Die Kammersymphonie gastiert regelmäßig im Konzerthaus Berlin und in der Berliner Philharmonie, sowie deutschlandweit. Unter ihrem Künstlerischen Leiter Jürgen Bruns folgte sie Einladungen zu den Musikfestspielen in Ravello (Italien,2000), zu den Dresdener Musikfestspielen, dem „Kurt-Weill-Fest“ Dessau (2001) und dem „Festival International de Musique de Sion-Valais“ (Schweiz). Das Musikfestival „Polen im Exil“ Oktober 2004 in Berlin, das polnische Exilkomponisten von Chopin bis Tansman vorstellte, wurde von der Kammersymphonie mitverantwortet.

Die besondere programmatische Gestaltung der Orchesterkonzerte trifft regelmäßig auf das Interesse der Rundfunkanstalten, die Mitschnitte und Live-Sendungen produzieren. So wurde das Eröffnungskonzert zum Usedomer Musikfestival 2007 live von Deutschlandradio Kultur übertragen, das Jubiläumskonzert „20 Jahre Kammersymphonie Berlin“ als Mitschnitt am 23.02.2011 gesendet.

Mit der Ersteinspielung von Franz Schrekers „Geburtstag der Infantin“ und Ernst Tochs „Tanzsuite“ legte die Kammersymphonie Berlin 1998 ihr vielgelobtes CD-Debüt vor. 2002 erschien mit Ersteinspielungen von Berthold Goldschmidt und Roberto Gerhard sowie mit der 2. Sinfonie von Kurt Weill eine weitere Aufnahme von Musik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 2004 engagierte Sony Norway die Kammersymphonie Berlin für eine Zusammenarbeit mit dem Bariton Rein Alexander. Die CD wurde in Norwegen mit Platin geehrt. Im Herbst 2006 veröffentlichte die Kammersymphonie Werke von Gerhard Frommel bei der Deutschen Grammophon. Anfang 2007 erschien bei Capriccio eine CD mit zwei Märchenmusiken von Andreas Pflüger mit Corinna Harfouch als Sprecherin. 2008 folgte eine CD bei Deutsche Grammophon mit der Einspielung von Kurt Hessenbergs Suite „Der Sturm“ und dem Saxophonkonzert von Lars-Erik Larsson mit dem Solisten Frank Lunte.

2001 erhielt die Kammersymphonie Berlin den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung und 2002 gemeinsam mit dem Künstlerischen Leiter Jürgens Bruns den „Förderpreis Musik“ der Musikakademie Rheinsberg und des Landes Brandenburg.

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Der Dirigent

Jürgen Bruns ist Mitbegründer der Kammersymphonie Berlin und seitdem der Künstlerische Leiter, daneben Chefdirigent des KOS Ljubljana und  in der selben Position beim ECCO (European Contemporary Composers Orchestra).

Als Kind lernte Jürgen Bruns mehrere Instrumente und trat neunjährig zum ersten Mal solistisch mit Orchestern auf. Später studierte er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin Violine; noch während seiner Studienzeit wurde er 1988 Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Zeitgleich begann Jürgen Bruns sein Dirigierstudium bei Professor Rolf Reuter in Berlin und ergänzte es mit Studien bei Gilbert Varga in Florenz und Charles Bruck in Paris sowie von 1991 bis 1992 an der „Pierre-Monteux-School“ in Maine (USA). 1991 gab Jürgen Bruns sein Engagement beim Konzerthausorchester auf, um sich ausschließlich dem Dirigieren zu widmen. Seitdem entwickelte sich eine rege Gastspieltätigkeit bei Orchestern, Theatern und Chören in den Niederlanden, Tschechien, der Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Polen, Frankreich, Österreich, Norwegen und Deutschland.

Er dirigierte in den letzten Jahren über 80 Uraufführungen. Jürgen Bruns wird für seine thematisch orientierten Konzertprogramme sowie für die Zusammenarbeit mit anderen Künsten (Theater, Video, Tanz, Literatur) sehr geschätzt.

Mehrmals erhielt der Dirigent den Siemens-Förderpreis und ist Träger des „Förderpreis Musik“ der Musikakademie Rheinsberg und des Landes Brandenburg. Für seine Interpretationen der Werke Janaceks wurde er von der IMFC ausgezeichnet.

Ein sehr wichtiger Aspekt seiner Arbeit ist die Aufnahmetätigkeit. Jürgen Bruns hat über hundert Werke für CD (u.a. Deutsche Grammophon, EDA, Signum, Quadriga, Capriccio, Hännsler Classics, Sony), Rundfunk und Film eingespielt, viele der aufgenommenen Werke sind Ersteinspielungen wiederentdeckter bzw. verfemter Musik.

Von 2006 bis 2009 war er Künstlerischer Leiter der Reihe „Club 100“ bei der Deutschen Grammophon.

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