Artist in Residence 2016

Steffen Fahl

Steffen Fahl erhielt in seiner Jugend Klavierunterricht u. a. bei Komponist Martin Almstedt sowie Kammermusiker und Pianist Gerrit Zitterbart. Er studierte bis 1989 an der an der Kunstuniversität Graz Klavier bei Edwin-Fischer-Schüler Jean Sebastian Benda, IGP sowie Jazzklavier bei Harald Neuwirth, vertieft durch Interpretations- und Meisterkurse u. a. bei Hans Leygraf, Lew Naumov und Jürgen Uhde.

An die Musikwissenschaft-Promotion bei Prof. Rudolph Stephan an der Freien Universität Berlin über Robert Kahn schließen sich bis heute Publikationen und Vortragseinladungen an, u. a. an das Royal College of Music London. In seinem Webprojekt klassik-resampled.de greift Steffen Fahl seit einigen Jahren den Anspruch moderner Samplelibraries auf, das traditionelle Instrumentarium digital verfügbar zu machen. Verschiedene Produzenten von Samplelibraries setzen seither digitale Realisationen von Steffen Fahl als Werbung für ihre Produkte ein. Teilweise entwickelten sich jahrelange Kooperationen z. B. mit dem Klaviersample Produzenten Synthogy (Massachusetts) oder dem Produzenten von gesampelten historischen Tasteninstrumenten Realsamples (Karlsruhe).

Dabei verbindet Steffen Fahl die Nutzung von Samplelibraries mit der wissenschaftlichen und interpretatorischen Erschließung des historischen Repertoires. Als Experimente einer quasi 'historisch informierten digitalen Aufführungspraxis' macht klassik-resampled z. B. Händels Dixit Dominus konsequent auf Knaben- und Männerstimmen beschränkt hörbar, wie in der Kirchenmusik im frühen 18. Jahrhundert üblich. Andere Experimente stellen Bachs Clavierübungen, Haydns 54 Klaviersonaten oder Eduard Francks frühe Klavierstücke, interpretiert auf dem gesampelten modernen Flügel, einer Interpretation auf gesampelten historischen Instrumenten der jeweiligen Epoche und Region gegenüber. Ravels Tzigane wurde mit der gesampelten Version des einzig original erhaltenen vorgeschriebenen "Luthéal" aus dem Brüsseler Musikinstrumenten-Museum aufgenommen.

Das Webprojekt klassik-resampled nutzt Samplelibraries auch um unbekanntes Repertoire hörbar zu machen. Unter den 2600 auf klassik-resampled zu hörenden mp3-Dateien sind allein ca. 700 auf klassik-resampled präsentierte Erstaufnahmen von Werken aus über 400 Jahren. Darunter befinden sich u. a. Erstaufnahmen von Kantaten G. A. Bendas, die in Zusammenarbeit mit dem Bach-Institut Leipzig aus den Manuskripten produziert wurden, um dann auch beim Leipziger Bachfest aufgeführt zu werden. Vom französischen Klassikmagazin "Diapason" wurde Steffen Fahls Erstaufnahme von Jean Louis Nicodés "Gloria!"-Symphonie besprochen. Sie ist mit über zwei Stunden Länge die größte Symphonie der klassisch-romantischen Tradition überhaupt. Inzwischen zählen auch über 300 der 1160 Stücke aus Robert Kahns "Tagebuch in Tönen" zu den Erstaufnahmen auf klassik-resampled.de.

Im Rahmen einer Gesamtaufnahme aller nichtszenischen Werke Alban Bergs realisierte klassik-resampled zahlreiche noch nie aufgenommene und teils noch nie publizierte Werke und Fragmente Bergs. Zu den Erstaufnahmen gehören des weiteren mehrere Werke verfemter Komponisten, wie die Konzertstücke des Widerstandskämpfers und Auschwitz-Häftlings Nico Richter. Weiters entstanden verschiedene Erstaufnahmen in Zusammenarbeit mit heute lebenden Komponisten, wie dem Elliot-Carter-Schüler Alan Belkin, Rick LaSalle oder Martin Almstedt.

Verschiedentlich wurden von Steffen Fahl produzierte MIDI-Daten z. B. mit MIDI-tauglichen Konzertorgeln im Budapester Palace of Arts, im Orgelmuseum Amsterdam oder im Konzertsaal der Musikhochschule Dresden konzertant aufgeführt.

Steffen Fahl lebt derzeit als frei schaffender Musikproduzent und Musikwissenschaftler in Göttingen.