Artist in Residence 2014

Günther Kaunzinger

Der Organist Günther Kaunzinger ist Artist in Residence 2014 am Institut für Kirchenmusik und Orgel. Im Rahmen dessen wird er einen Gastkurs halten.

Presseberichte, die den Organisten als "technisches Phänomen", gar als "Liszt der Orgel" würdigen, sind keine Seltenheit. Der wahre Kern, der hinter solchen oft eilfertigen Formulierungen lauert, gründet in Kaunzingers Konzept eines musikalisch vollgültigen, technisch emanzipierten und geistig hellwachen Orgelspiels, wobei sein außerordentliches Gedächtnis ihn befähigt, sein Repertoire auswendig zu interpretieren.

Erlernt hatte Kaunzinger, von 1976-1978 zudem "Artist in Residence" am "National Shrine" und Leiter der Orgelabteilung an "The Catholic University of America" in Washington, D. C., sein Handwerk während eines siebenjährigen Studiums bei französischen OrgelmeisterInnen: Marie-Claire Alain, Maurice Duruflé und - was die Kunst der Improvisation wie selbstverständlich einschließt - Jean Guillou; zuvor hatte er in Deutschland ein umfassendes Musikstudium (auch in den Fächern Klavier, Komposition und Dirigieren) absolviert. Zahlreiche gewonnene internationale Orgelwettbewerbe legten die Grundlage für Kaunzingers weltweite Konzerttätigkeit und seine rege Schallplattenaktivität (darunter u.a. das Gesamtwerk von Franck, Widor und Vierne), die mit dem Deutschen Schallplattenpreis 1980, 1982, 1988 honoriert wurde. 1983 gründete er in seinem Haus "Capriccio" in Helmstadt bei Würzburg die "Konzerte auf Capriccio". Sein engagiertes Eintreten für einen zeitmäßigen, individuellen Orgelbau belegen zahlreiche Instrumente im In- und Ausland, darunter die Große Orgel der Stiftsbasilika Waldsassen - mit 103 Registern und zwei sechsmanualigen Spieltischen - an der er 1989 zum "Titualorganist" ernannt wurde.

Als Herausgeber der ersten Urtext-Edition des gesamten Orgelœuvres von César Franck (Schott/Wiener UB) sowie der bisher einzigen korrigierten Fassung von Julius Reubkes "Orgelsonate über den 94. Psalm" (ebenso Schott/Mainz) hat sich Günther Kaunzinger besondere Verdienste erworben und auch musikwissenschaftlich profiliert. 1988 wurde ihm der Kulturpreis der Stadt Sulzbach-Rosenberg aufgrund seiner internationalen Bedeutung als Orgelinterpret verliehen. 1994 erfährt er weltweite Anerkennung indem er zum "Interpreten des Jahres" gewählt wird. Der deutsche Bundespräsident hat Günther Kaunzinger den "Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland" zuerkannt. Damit würdigte der Staat einen international renommierten Organisten und Lehrer, dessen Wirken weltweit geschätzt wird.

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